„Das Unterrichten mit Tablets wird rapide an Bedeutung gewinnen.“

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Tablets werden in immer mehr Schulen fest in den Unterricht integriert. Um diese erfolgreich einbinden und den Mehrwert dieser Geräte voll ausschöpfen zu können, müssen die Lehrer fit in deren Anwendung sein. Wie die Fachdidaktik Englisch ihre Studierenden auf das Unterrichten der Zukunft vorbereitet und wie sich das Lehren durch die mobilen Endgeräte verändern kann, erläutert Prof. Dr. Oliver Meyer, Fachdidaktik Englisch an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, im Interview mit REDNET.

Prof. Dr. Oliver MeyerDigitale Bildungsmedien sind auf dem Vormarsch. Wie wirkt sich das auf das Studium der Fachdidaktik Englisch aus?
Prof. Dr. Oliver Meyer: „Wir leiten die Studierenden an, mit diesen Medien umzugehen, indem wir sie digitale Unterrichtsmaterialien produzieren lassen. Das heißt, sie bekommen bestimmte Lernaufgaben gestellt und müssen demonstrieren, dass sie theoriegeleitet mit den Geräten und bestimmten Apps kompetenzorientierte und hochgradig differenzierende und individualisierende Materialien für den Englischunterricht erstellen können. Bei uns werden das ganz konkret iBooks sein.“

Welche Rolle wird Tablet-gestützter Unterricht künftig in der Schule spielen und wie bereiten Sie die Studierenden darauf vor?
Prof. Dr. Oliver Meyer: „Ich persönlich glaube, dass wir mittelfristig, vielleicht in fünf Jahren, in fast allen Schulen ganze Klassensätze von iPads zur Verfügung haben werden. Darauf müssen  wir schon jetzt im Studium reagieren und die Studierenden entsprechend professionell vorbereiten, weil im Referendariat, der nächsten Stufe der Ausbildung, keine Zeit dafür ist. Unterrichten mit Tablets wird rapide an Bedeutung gewinnen und das sieht man jetzt schon in einigen Schulen im Kreis Mainz-Bingen: die Attraktivität der Geräte ist hoch und sie haben einen großen Mehrwert für Lehrer und Schüler. Ich glaube, dass auch der Elternwille so stark sein wird, dass sich das durchsetzt.“

Welche Chancen bieten Apple-Geräte generell beim Erlernen einer Fremdsprache und für fortgeschrittene Lernende im Englischunterricht?
Prof. Dr. Oliver Meyer: „Der Vorteil von diesen Geräten ist, dass sie sich intuitiv bedienen lassen. Ihr Mehrwert liegt auch darin, dass die Unterrichtinhalte sehr stark individualisiert und personalisiert werden können. Kinder können Texte in ihrem Schwierigkeitsgrad lesen oder sie in ihrer Geschwindigkeit hören und wesentlich kreativere Produkte erstellen. Diese Art von Authentizität – das weiß man mittlerweile – wirkt sehr motivierend und aktivierend und hat deshalb starke Einflüsse auf die Qualität des Fremdsprachenlernens. Fortgeschrittene Lerner können mit Tablets authentische Produkte produzieren, sie können Blogs erstellen und diese Art von Öffentlichkeit wirkt sich ganz stark auf die Arbeitshaltung der Schüler aus. Sie korrigieren und aktualisieren ihre Blogs, sie arbeiten in Teams und werden dabei gestützt von digitalen Wörterbüchern und Apps, mit denen sie ganz neuartige Produkte erstellen können.“

Wird sich das Lehren und Lernen durch den Einsatz von digitalen Bildungsmedien, Tablets und Co. weiter verändern?
Prof. Dr. Oliver Meyer: „Man kann es sich wünschen. Ich bin neutral bis skeptisch, weil auch die Laptops relativ wenig dazu beigetragen haben, dass sich das Lernen verändert. Ich glaube, die Chance ist jetzt größer, weil die Geräte viel einfacher zu bedienen sind und weil die technischen Änderungen, die uns jetzt erst noch bevorstehen, also virtual reality und alles, was noch kommt, noch größere Eingriffe in den Unterricht ermöglichen werden. Wir können dann zum Beispiel virtuelle Trips in Museen machen oder den Meeresgrund virtuell erforschen. Das sind alles Dinge, die vorher nicht möglich waren und die den Unterricht bereichern.“

Nicht alle Lehrer sind mit Tablets und Co. aufgewachsen und in deren Anwendung geschult. Was würden Sie diesen Lehrergenerationen mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung des Unterrichts empfehlen?
Prof. Dr. Oliver Meyer: „Neugier, Offenheit und sich einfach einmal trauen, Dinge auszuprobieren. Wir sehen das immer wieder. Wenn man behutsam an die Geräte und ihre Möglichkeiten herangeführt wird, dann macht einem das nicht nur schnell selbst Spaß, sondern es entwickelt eine ganz eigene Dynamik. Viele Kollegen ziehen aus dem Einsatz von Tablets für sich viel heraus, weil sie auf einmal Dinge tun können, die vorher gar nicht möglich waren. Hierfür braucht es systematische Unterstützung in Form von Fortbildungen, aber die ist mittlerweile eigentlich vorhanden.“