Das iPad Pro im Edu-Praxistest: Vielseitiges Gerät für den Lehrer.

Das iPad Pro im Edu-Praxistest: Vielseitiges Gerät für den Lehrer

Es ist größer, leistungsstärker und bietet mit dem Apple Pencil erstmals auch eine Stifteingabe: das iPad Pro. Doch überzeugt es auch bei der Vorbereitung und beim Unterrichten selbst? Tobias Bachert, Medienpädagoge bei der REDNET AG, machte den Praxistest und prüfte das iPad Pro aus Lehrersicht auf Herz und Nieren.

Das Auffälligste am iPad Pro ist auf jeden Fall das Display: Es ist fast so groß wie eine DIN A4-Seite und verspricht viel Platz zum Notieren und Anfertigen von Skizzen. „Im bewährten Design gehalten, ist das iPad Pro genauso dünn wie seine kleineren Bruder und fühlt sich ebenso wertig an. Es ist überraschend leicht, so dass man es wie gewohnt einhändig halten kann. Zudem liegt es angenehm im Arm“, so Bachert. Damit lässt es sich auch in Kombination mit einem Beamer oder Fernseher als mobiles interaktives Whiteboard verwenden – was man als Lehrer ja schon beim iPad schätzen gelernt hat.

Leistungsfähige Lautsprecher.
Dazu kommt, dass auch die Lautsprecher halten, was sie versprechen. Mit der neuen 4-Lautsprecher-Architektur hat man nun genug Leistung. „Damit ist man unabhängiger und flexibler als bisher. Weder müssen Boxen organisiert und mitgeschleppt werden, noch muss man sich Sorgen über die im Klassenraum verfügbaren Lautsprecher machen“, so Bachert. Spontanes Abspielen von Filmen oder Audiodateien ist damit jetzt in akustisch schwierigen Räumen genauso möglich wie draußen auf der Sportbahn oder im Schulgarten. Somit gibt das ein weiteres Plus in Sachen Schulunterricht für den großen Bruder des iPad.

Split View in neuen Dimensionen.
Zwei Apps gleichzeitig zeigen, das war zwar schon seit der Einführung des Betriebssystems iOS 9 für iPad Air 2 und iPad Mini 4 möglich. Diese sehr praktische Split View-Funktion erleichterte im Unterricht schon vieles, indem Schüler beispielsweise parallel das Erklärvideo sehen und den Arbeitsauftrag bearbeiten konnten. Doch leider war das bisher immer alles ein bisschen klein. Das ändert sich jetzt definitiv dank großem Display. Denn jetzt wird die Split View zu einem ganz neuen Erlebnis – und das Lehren und Lernen macht gleich noch etwas mehr Spaß.

Schreiben auf dem iPad revolutioniert.
Auch wenn es Eingabestifte schon etwas länger gibt – ein Stift mit einer solchen Genauigkeit, Geschwindigkeit und Vielseitigkeit war für das iPad bisher nicht verfügbar. Deshalb ist die Stifteingabe per Apple Pencil auch ein großes Novum beim iPad Pro – und ein Feature, das das Lehren um ein Vielfaches bereichern könnte. „Das Schreiben auf einer Glasscheibe ist nur kurz ungewohnt, dann macht es Spaß, das feine Schriftbild und gleichzeitig die Möglichkeiten des digitalen Arbeitens wie Zoomen, Radieren oder Umfärben nutzen zu können“, sagt Bachert. Die Vorteile des analogen Notierens werden so also optimal mit den Möglichkeiten des iPads kombiniert. Auffallend ist dabei die Präzision. „Das Schriftbild ist definitiv feiner als mit Kreide und die Wörter erscheinen unmittelbar“, hebt Bachert einige Vorteile des Apple Pencils hervor, der bisher nur auf dem iPad Pro eingesetzt werden kann.

Doch das ist nicht alles: Je nachdem, wie der Stift geführt wird, erscheinen die Linien dicker oder dünner. Er kann auch zum Schraffieren verwendet werden, was insbesondere bei kleineren Skizzen im naturwissenschaftlichen Unterricht eine willkommene Funktion ist. Das große Display vereinfacht in Kombination mit dem Pencil auch das Notieren von Schüleräußerungen, etwa bei einem „Blitzlicht“, enorm. „Soll es nicht beim bloßen Aufschreiben bleiben, kann man beim Unterrichten mit dem Pencil fix eine erste Skizze oder Mindmap zeichnen, bei Bedarf korrigieren und unkompliziert um Bilder oder Audiodateien ergänzen“, so Bachert. Außerdem kann das Ergebnis mit einem Klick gespeichert und später den Schülern zur Verfügung gestellt werden.

Notieren und Zeichnen ohne lästige Striche.
Bei der Vorbereitung von digitalen Tafelbildern und Grafiken mit dem Apple Pencil oder auch im Unterricht selbst lernt man eine weitere Funktion ebenfalls sehr schnell schätzen: die automatische Handballenerkennung. Sie verhindert, dass mit dem Handballen oder dem kleinen Finger ungewollt Punkte oder Striche erzeugt werden, was das Schreiben noch einfacher macht. Das iPad Pro kann den Stift vom Handballen unterscheiden. „Bei vielen Kollegen sieht man, dass sie den Stift im ersten Moment noch sehr unnatürlich halten und versuchen, mit der Hand unter keinen Umständen das Display zu berühren. Sie sind dann zunächst überrascht, dass das nicht mehr nötig und wie zuverlässig sie auf dem iPad Pro schreiben können“, so Bachert. Allerdings wird die automatische Handballenerkennung bisher leider noch nicht von allen Apps unterstützt.

Praktisch ist der Apple Pencil auch bei kleineren Korrekturen in den Arbeitsblättern der Schüler. So kann das PDF nun quasi „handschriftlich“ verbessert werden und es können ergänzend Kommentare per Hand oder als Sprachnachricht integriert werden. Das ist nicht nur eine Zeitersparnis beim Korrigieren. Das Arbeiten mit der Kommentarfunktion oder gar das Ausdrucken ist eigentlich nicht mehr nötig.

Schematische Zeichnung für den Biologieunterricht.
Auch bei der Vorbereitung des Unterrichts hat die Kombination aus iPad Pro und Apple Pencil Vorteile, wie Bachert weiß. Möchte ein Biologielehrer etwa eine schematische Zeichnung von Zwiebelzellen unter dem Mikroskop vorbereiten, kann er diese in einer Zeichenapp mit dem Stift skizzieren, in die App Explain Everything exportieren, ergänzende Materialien wie Fotos, eine lehrreiche Website oder ein Erklärvideo einbinden – und fertig ist das Material. So lassen sich einfach interaktive Schaubilder anfertigen und später sogar als digitales Buch oder Lernportfolio zur Vor- und Nachbereitung zuhause erstellen.

Flexibel und unabhängig im Raum.
Das iPad Pro lässt sich nicht nur von jedem Punkt im Klassenzimmer aus einsetzen, sondern auch im Freien. Zum Beispiel im Sportunterricht, wenn man die Bewegungsabläufe beim Hochsprung analysieren oder Taktiken bei Mannschaftsspielen aufzeigen möchte. „Das ist eine tolle Bereicherung für den Unterricht, die man nicht mehr missen möchte – vor allem, weil man jetzt durch das große Display beim iPad Pro alles detailliert erkennen kann“, sagt Bachert.

Fazit: Für Bachert steht fest: „Dank großem Display, das insbesondere auch dem handschriftlichen Arbeiten entgegenkommt, den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Apple Pencils und Funktionen wie Split View bietet das iPad Pro viele unterrichtspraktische Features, die man schnell im täglichen Einsatz lieben lernt. Somit bereichert das iPad Pro das Lehren und die Unterrichtsvorbereitung und erweitert sinnvoll meine Palette an Unterrichtswerkzeugen. Auch wenn Schüler wegen der im Vergleich zum iPad höheren Kosten oft noch nicht selbst in den Genuss des iPad Pro kommen, hat es das Potenzial, auch das digitale Lernen (noch) angenehmer zu gestalten.“